1 Zu viel Hall
Je länger man an einem Mix arbeitet und je tiefer man sich hineinproduziert hat, desto mehr verliert man an Perspektive. Und da kann es schnell passieren, dass man den Hall-Effekt übertreibt und sich das Ergebnis plötzlich nach Rex Gildo anhört. Es empfiehlt sich immer wieder andere (kommerziell produzierte) Musik im A/B-Vergleich zu hören und dort auf die Verwendung des Halls und der Effekttiefe und deren Details zu achten.
Kurze, dafür aber regelmässige Pausen helfen die Ohren frisch zu halten und die Perspektive nicht zu verlieren.
2 Der falsche Hall
Menschen sind an den Klang von Hall gewöhnt, in jeder Situation nehmen wir ihn als Rauminformation wahr. In der Musikproduktion wird Hall eingesetzt, um die Instrumente im Mix zu positionieren und / oder Ihnen zum Beispiel einen gemeinsamen Raumeindruck zu verschaffen.
Da wir Menschen, wie oben erwähnt, jeden Tag den unterschiedlichsten Hällen und Rauminformationen ausgesetzt sind, bekommen wir eine gewisse Vorstellung davon, wie Dinge zu klingen haben. Das führt dazu, dass man in der Musikproduktion den Hall geschickt aussuchen muss: Es macht wenig Sinn ein Kammerorchester in einem Bad zu positionieren. Natürlich könnte man dies als kreativen Effekt einsetzen, aber eine solche Verwendung von Hall würde von den meisten Hörern “falsch” empfunden werden.
3 Hall auf den falschen Sounds
Beim Mischen von Songs verwendet man Hall gerne dazu, um Sounds in verschiedene Tiefen-Ebenen einzuteilen und damit deren Präsenz im Mix zu gewichten. Sounds mit viel Hall und langen Pre-Delay Zeiten wirken für den Zuhörer weiter weg, tiefer im Mix. Im Gegensatz dazu wirken Sounds mit wenig Hall und kurzen Pre-Delay Zeiten näher am Zuhörer. Es lohnt sich, die Band auf einer Bühne zu visualisieren, und sich bereits im Vorfeld des Mischens Gedanken über die zu verwendenden Hall-Effekte zu machen.
In der Regel befindet sich ein Sänger vor der Band auf der Bühne und sollte deswegen auch im Mix relativ weit vorne stehen. Sounds, die bereits von Haus aus viel Hall haben (Pads zum Beispiel) benötigen oftmals keinen weiteren Hall bei der Abmischung.
4 Hall auf tieffrequenten Instrumenten
Hall auf tieffrequenten Instrumenten wie Kicks oder Bass kann zu einer unnötigen Dichte von Audioinformationen im unteren Bereich des Frequenzspektrums führen und den Mix zu einem breiartigem Einerlei machen. Ausserdem verkleinert man sich damit den Headroom und dadurch auch die mögliche Lautheit des Mixes.
Es ist in vielen Musikrichtungen nicht ungewöhnlich gar keinen Hall auf Kick oder Bass zu geben.
5 Schlecht klingender Hall
Da Hall ein akkustisches Phänomen unserer Umwelt nachbildet, das der Mensch schon aus Überlebensgründen seit frühester Kindheit gelernt hat richtig zu interpretieren, werden schlechte Hall-Effektgeräte schnell als solche erkannt und als billig empfunden.
Eine einfache Regel ist hier: je schlechter der Hallalgorithmus, desto weniger Hall verwendet man im Mix. Der Umkehrschluss ist deswegen übrigens nicht gleich automatisch richtig


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